Christdemokrat mit Rechenschieber

Torsten Hauwetter leitet den Pinneberger Finanzausschus – und hätte fast fürs Bürgermeisteramt kandidiert

Pinneberg

Doppelte Buchführung. Defizit. Schulden. Begriffe, die Torsten Hauwetter kennt. Kennen muss. Er ist Vorsitzender des Finanzausschusses in Pinneberg. Der Mann mit dem Rechenschieber. Es gibt in der Kommunalpolitik derzeit Posten, die dankbarer sind. Doch der 43-Jährige lebt Optimismus vor. „Wir wollen weg vom Begriff Pleitestadt“, sagt er. Und: „Wir kriegen das in den Griff.“ Hauwetter gehört zur Riege jüngerer Christdemokraten, die nach der Kommunalwahl im Mai 2013 besonders gefragt sein werden. Schließlich haben mehrere erfahrene CDU-Politiker erklärt, sich aus dem Tagesgeschäft zurückzuziehen. Da gilt es, Lücken zu schließen. Auf ihren Finanz-Experten kann die Partei diesbezüglich zählen: „Ich trete an, würde nach der Wahl auch gern als Vorsitzender des Finanzausschusses weitermachen“, sagt der Mann, der bereits seit 2003 in der Ratsversammlung sitzt.

Torsten Hauwetter wird 1969 in Pinneberg geboren. Nach der Mittleren Reife lässt er sich bei Koske zum Radio- und Fernbsehtechniker ausbilden. Später macht er den Meister, geht 1999 zum Unternehmen Panasonic nach Neumünster. Seit 2000 ist der 43-Jährige Teamleiter für Qualitätssicherung bei Sharp in Hamburg.

Ein Beruf, der den Pinneberger, der seit 1997 verheiratet ist, ziemlich einspannt. Ein weitergehendes Engagement, etwa als Fraktionschef seiner CDU, schließt er deshalb aus. An der Furcht vor großen Aufgaben kann das nicht liegen: Hauwetter hätte sich um das Amt des Pinneberger Bürgermeisters beworben – wenn seine Partei nicht eine gemeinsame Kandidatin mit der SPD bevorzugt hätte. „Dieser Idee wollte ich nicht im Wege stehen.“ Von Parteichefin Natalina Boenigk gab’s dafür Dank vor versammelter Mannschaft. Hauwetter glaubt an die parteilose Kandidatin Urte Steinberg. „Ich hoffe, dass mit ihr als Bürgermeisterin ein neuer Geist ins Rathaus einzieht.“

Kürzlich musste der 43-Jährige schmerzhafte Einschnitte und Steuererhöhungen nach Außen vertreten. „Letzten Endes reagieren wir nur auf Vorgaben, die uns das Land macht“, erinnert er an das Korsett des finanzpolitischen Rettungsschirms. „Wir beschreiten einen Weg, der uns letztlich wieder Luft zum Atmen geben wird.“ Für Hauwetter steht fest: „In Pinneberg stimmen viele Standortfaktoren.“

Hauwetter nennt sich selbst christlich geprägt. Er sei kein blinder Parteisoldat: „Will man Ziele erreichen, muss man auch mal Kompromisse machen.“ Finanzen seien ein Revier, in dem er sich wohlfühle. Seine Frau Christine übrigens auch – sie ist Bankerin.
Andreas Daebeler

Erschienen im Pinneberger Tageblatt am 03.11.2012