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Michael Lorenz sagt Tschüs

Abschied eines Dauerbrenners: Christdemokrat prägte 15 Jahre lang Pinnebergs Politik


Pinneberg

Er wirkt gelöst. Tiefenentspannt. Es ist offensichtlich, dass Michael Lorenz mit sich im Reinen ist. Wir treffen den 68-Jährigen in seinem Haus in Thesdorf. Wie so oft in den vergangenen Jahren. Wenn es darum ging, Informationen auszutauschen. Hintergründe zu erörtern. Die Reporter und der Fraktionschef der Pinneberger CDU – das ist jetzt Geschichte. Lorenz macht Schluss mit der Politik. Nach 15 Jahren. Ein Dauerbrenner sagt Tschüs.

Wir erleben den Privatmann Michael Lorenz. Einen Mann, der sich erinnert. Der erzählt. Auch von politischen Niederlagen, wie der gescheiterten Suche nach einem geeigneten Kandidaten für die Bürgermeisterwahl 2008. Seinerzeit hatte es Absagen gehagelt. Und Kritik. „Nicht gut gelaufen“, sagt Lorenz heute ohne Umschweife.

Und das fällt ihm nicht allzu schwer: Sprechen doch die Erfolge bei Kommunalwahlen eine deutliche Sprache. Zum dritten Mal nacheinander stellt die CDU die stärkste Fraktion im Pinneberger Rat. „Ein echter Hattrick“, sagt Lorenz – und lacht. Unvergessen das Jahr 2003, als die Christdemokraten sämtliche Wahlkreise in der Stadt für sich entschieden. „Zugegeben, damals spielte der bundespolitische Trend uns in die Karten.“

Die Christdemokraten hatten ihre Vormachtstellung in den folgenden Jahren genutzt – und vor allem das Feld der Haushaltskonsolidierung beackert. „Wir konnten tatsächlich Schulden abbauen“, erinnert sich der 68-Jährige, der zeitweise sowohl dem Haupt-, als auch dem Finanzausschuss vorsaß, nicht ohne Stolz.

Nein, Michael Lorenz macht kein Geheimnis daraus, dass es in einer großen Fraktion auch mal knirscht. Wie 2007, als die Parteispitze entschied, dem amtierenden Bürgermeister Horst-Werner Nitt die Rote Karte zu zeigen. Vor allem aber sei die Atmosphäre in den vergangenen Jahren von „sehr viel Loyalität“ geprägt gewesen. „Wenn ich zurückblicke, bin ich sehr zufrieden.“

Dem neuen Fraktionschef Andreas Meyer wünscht Michael Lorenz, der auch von politischen Gegnern geschätzt wird, alles Gute. Er sieht die CDU für die Zukunft gut aufgestellt, spricht von „einer Vielzahl politischer Talente“ in Reihen der Christdemokraten. Er selbst kann sich vorstellen, noch ein wenig im Parteivorstand mitzuarbeiten. In politischen Gremien werde er nicht mehr auftauchen. Seine Frau Felicitas hingegen schon. Sie sitzt für die Christdemokraten im Ausschuss für Finanzen.

Akten wälzen, Beschlüsse vorbereiten, Telefonate ohne Ende – für Michael Lorenz in den vergangenen Jahren Alltag. Und jetzt? „Reisen ohne Blick in den Terminkalender“, antwortet der 68-Jährige. Asien und Südamerika reizen ihn sehr. „Und ich will meine Französisch-Kenntnisse auffrischen.“

Heute wird Lorenz zum letzten Mal als CDU-Abgeordneter das Rathaus betreten. Die Ratsversammlung wird ihn wie andere verdiente Politiker verabschieden. „Ich bleibe natürlich trotzdem bis zum Schluss.“ Ja. Das passt zu diesem Mann.
Andreas Daebeler

Erschienen im Pinneberger Tageblatt am 13.06.2013

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