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Das Denkmal am Pinneberger Bahnhof

- Umgestalten oder unverändert stehen lassen oder abreißen? -

Zwei Kommentare zu dem Thema

 

Der offizielle Name der Gruppe, die hierüber diskutieren wollte, verrät, dass sie sich längst entschieden hat:

Initiativ-Gruppe zur Umgestaltung des Kriegerkultmales in Pinneberg in ein richtiges Denk-Mal.

 

Der Name verrät außerdem den Grund, weshalb das Denkmal umgestaltet werden soll:

Begriffe wie Mahnmal oder Gefallenendenkmal werden durch eine Neuprägung ersetzt – Kriegerkultmal. Damit wird erstens dem Denkmal eine monströse Eigenschaft zugeschrieben und  zweitens der Öffentlichkeit, den Pinnebergern also, unterstellt, sie hätten diese Monstrosität bisher nicht erkannt oder ignoriert. „Viele gehen an dem Denkmal achtlos vorbei“, ließ sich Jochen Hilbert, einer der Initiatoren, im Pinneberger Tageblatt zitieren.

Er und seine Mitstreiter scheinen zu erwarten, dass nach der von ihnen angestrebten Umgestaltung die Pinneberger nicht mehr „achtlos vorbeigehen“, sondern im Angesicht des Males zu denken anfangen. Über das, was sie dann hoffentlich denken würden, gab es am Diskussionsabend immerhin ein paar Hinweise.

Es wurde gesagt, das Denkmal müsse „zur Menschlichkeit aufrufen“. In seinem jetzigen Zustand sei es ein Instrument „propagandistischer Militärverherrlichung“. Deutschland sei an Kriegen beteiligt, es sei größter Exporteur an Kleinwaffen, und durch Kleinwaffen stürben die meisten Menschen. Kriegsgewinne und Ausbeutung wurden in diesem Zusammenhang gleich mitgenannt. Diese friedensbewegte Gesamtschau fand ihren Höhepunkt in einem Satz, den Jochen Hilbert mit den Worten begann: „Wenn man möchte, daß Kriege nicht stattfinden, …“ Er unterstellt also, daß es Pinneberger Bürger gibt, die Kriege anstreben – und er erwartet, so ging sein Gedankengang sinngemäß weiter, dass die Pinneberger Bürger ihren Beitrag zu einer friedlicheren Welt leisten würden, sobald das Denkmal umgestaltet worden sei.   

Leute, denkt! Und wenn ihr denkt, denkt richtig!

Geschichte und Literatur sind voll von derartigen Volks(-um-)erziehungsprogrammen, und hehre Ziele strebten sie alle an. „Ei, Vater, sieh den Hut dort auf der Stange“, ruft Walter seinem Vater, Wilhelm Tell, zu. Und der reagiert, wie es jeder Passant täte: „Was kümmert uns der Hut? Komm, laß uns gehen.“

In Altdorf ein Hut, am Pinneberger Bahnhof die Hinterlassenschaft menschenverachtender Ideologie - welch ein Unterschied!

Ein Vergleich drängt sich dennoch auf. „In des Kaisers Namen! Haltet an und steht!“, wird Wilhelm Tell vom Gendarmen angeschnauzt.

„In des Friedens Namen! Haltet an und denkt!“ Oder: „… und bekennt euch für den Frieden!“ Oder: „… und wählt die friedliebende Partei XY!“ Oder: „... und sagt auf, was ihr über die Nazis wisst!“

So könnte sich der psychologische Druck darstellen, der von einem „richtigen Denk-Mal“ ausgeht.

 

Natürlich ist dies alles absurd – in Friedrich Schillers Altdorf allerdings weniger als in Pinneberg.

 

Der Hut symbolisiert ganz konkret das Kaiserreich, dem man Reverenz zu erweisen hat.

Was wird das umgestaltete Denkmal symbolisieren? Den Willen einer Gruppe von Menschen, die glauben, ihre Mitmenschen zur Achtsamkeit anhalten zu müssen, obwohl sie gar nicht wissen, ob diese das nötig haben. Und den Erfolg ihrer Umgestaltung können sie – anders als bei Gesslers Hut – noch nicht einmal überprüfen, es sei denn, sie erfinden ein Gerät, mit dem sie bei jedem Passanten feststellen können, wie intensiv er sich dem Denkmal widmet. Angemessene Sanktionen wären dann auch noch zu entwickeln. 

Jahrzehnte aber würden sie benötigen, um herauszufinden, wie sehr das auf ihre Initiative hin umgestaltete Denkmal zu größerer Friedlichkeit in der Welt beiträgt.

Und dann kann es ihnen passieren, dass die von ihnen behauptete Kausalität „Frieden durch Friedensmal“  abgestritten wird.

Es war das Unbehagen der Initiatoren an der politischen Unzuverlässigkeit der Bürger, im Grunde also an der real existierenden Demokratie, das sie dazu gebracht hat, die Stele des Anstoßes am Pinneberger Bahnhof nicht unwidersprochen zu lassen. „Unwidersprochen“ - unter diesem Motto hatte die Initiative zu der Diskussion eingeladen.

 

Eckard Schwanck

 

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Unwidersprochen – zur Diskussionsveranstaltung am 20. Juni 2017 in der Pinneberger Christuskirchengemeinde

Den Aussagen des historischen Denkmals am Pinneberger Bahnhofsvorplatz (1934) soll etwas entgegengestellt werden, das zur Auseinandersetzung auffordert.

Warum Energie in die Ergänzung eines Denkmals investieren, das heutzutage – trotz zentraler Lage – in den Windschatten der Gegenwart geraten ist?  Ob eine künstlerische Ergänzung daran etwas ändern kann -  ich weiß es nicht.

Ich plädiere dafür, die seit der  Nachkriegszeit bewusst geförderte Völkerverständigung  weiter zu vertiefen.  Unzählige Austausche von Jugendlichen mit unseren Nachbarn in Frankreich, Großbritannien, Polen, USA etc. haben mehr bewirkt als alles andere.

Junge Menschen bekommen Gelegenheit, über den Tellerrand hinauszuschauen,  eine andere Kultur zu erleben und Freundschaften aufzubauen. Viele dieser Jugendlichen, die diese Erfahrung machen durften, sind weltoffen und selbstbewusst und haben – gegründet auf eigene Erfahrung – einen guten Schutz gegen Manipulation und Propaganda. Wer Freunde in anderen Ländern hat ist weitgehend immun gegen Verführung  und Verherrlichung von Krieg. Mit Aussagen wie denen des Denkmals am Pinneberger Bahnhofsvorplatz werden sich diese Menschen – jeder auf seine Art - kritisch auseinandersetzen.

Ich setzte auf die Zukunft!

Bernd Hinrichs

© CDU Pinneberg 2017